08/01/2023
Der Wunsch nach einer Typveränderung oder die Notwendigkeit, graue Haare zu kaschieren, führt viele Menschen zum Griff nach Haarfarben. Während der Gang zum Friseur für manche selbstverständlich ist, entscheiden sich andere für das bequeme Do-it-Yourself-Verfahren zu Hause. Innerhalb kürzester Zeit verspricht man sich einen völlig neuen Look. Doch was viele nicht wissen: Nicht jede Haarfarbe ist gleich gut für Ihre Haargesundheit. Ein Inhaltsstoff, der dabei immer wieder in den Fokus rückt, ist Ammoniak. Es ist in den meisten handelsüblichen Haarfarben enthalten, doch welche Auswirkungen hat es wirklich auf unser Haar? Und gibt es vielleicht bessere Alternativen, die das Haar schonen, ohne Kompromisse bei der Farbe einzugehen? Wir tauchen tief in die Welt der Haarfärbemittel ein und enthüllen die Wahrheit über Ammoniak und seine Alternativen.

Warum ist Ammoniak in Haarfarben enthalten? Die Funktion eines umstrittenen Stoffes
Ammoniak ist eine chemische Verbindung, die seit Langem ein fester Bestandteil vieler permanenter Haarfarben ist. Seine Hauptaufgabe ist es, die Farbpigmente tief in die Haarstruktur eindringen zu lassen. Um dies zu ermöglichen, öffnet Ammoniak die äußere Schutzschicht des Haares, die sogenannte Schuppenschicht. Man kann es sich vorstellen wie kleine Schindeln auf einem Dach: Normalerweise liegen sie eng aneinander und schützen das Haarinnere. Ammoniak sorgt dafür, dass sich diese Schindeln leicht anheben, sodass die Farbmoleküle ins Innere des Haares gelangen und dort fest verankert werden können. Dieser Prozess ist entscheidend für intensive, langanhaltende Farbergebnisse, insbesondere wenn es darum geht, starke Farbveränderungen zu erzielen oder graue Haare zuverlässig abzudecken. Ohne ein alkalisches Mittel wie Ammoniak wäre es nicht möglich, eine dauerhafte Coloration zu erreichen.
Ammoniak fungiert zudem als Alkalisierungsmittel, das den pH-Wert der Haarfarbe in den alkalischen Bereich verschiebt. Dieser alkalische Zustand ist notwendig, damit das Haar quillt und die chemische Reaktion zwischen den Farbstoffen und dem Wasserstoffperoxid stattfinden kann. Ein weiterer wichtiger Aspekt von Ammoniak ist seine Flüchtigkeit. Sobald es der Luft ausgesetzt wird, verflüchtigt es sich relativ schnell, was den typischen, beißenden Geruch erklärt. Man spricht bei Ammoniak daher von einem sogenannten „flüchtigen Alkali“. Dies hat den Vorteil, dass die Schuppenschicht des Haares nicht länger als nötig geöffnet bleibt und sich nach dem Ausspülen wieder schließen kann, wodurch potenzielle Schäden minimiert werden sollen.
Die Schattenseiten: So schädlich ist Ammoniak für Ihre Haare wirklich
Trotz seiner Effektivität hat der Einsatz von Ammoniak in Haarfarben seinen Preis für die Haargesundheit. Die Chemikalie ist stark alkalisch und kann die Haarstruktur bei wiederholter Anwendung nachhaltig schädigen. Während die Auswirkungen bei der ersten Haarfärbung vielleicht noch gering erscheinen, summieren sich die Schäden bei jeder weiteren Behandlung. Da der Haaransatz spätestens nach drei bis vier Wochen wieder eine Auffrischung benötigt, wird das Haar immer wieder mit Ammoniak in Kontakt gebracht, auch wenn nur der Ansatz gefärbt wird, kommt es oft zu Überlappungen mit bereits gefärbtem Haar.
Die wiederholte Öffnung der Schuppenschicht führt dazu, dass das Haar mit der Zeit spröde, anfällig für Schäden und porös wird. Es verliert seine natürliche Schutzschicht, was zur Folge hat, dass Feuchtigkeit und Nährstoffe nicht mehr optimal im Haar gespeichert werden können. Dies manifestiert sich in trockenem, glanzlosem Haar, das leichter bricht. Ammoniak fördert zudem die Entstehung von Spliss und Haarbruch. Personen, die ohnehin schon unter feinem oder trockenem Haar leiden, sind von diesen negativen Auswirkungen besonders betroffen.
Hinzu kommt, dass die Substanz bei vielen Menschen die Kopfhaut reizt. Juckreiz, Rötungen oder ein brennendes Gefühl während oder nach dem Färben sind häufige Beschwerden. Der charakteristische, stechende Geruch von klassischen Drogeriehaarfarben ist ein direkter Hinweis auf den Ammoniakgehalt und kann bei empfindlichen Personen auch die Atemwege reizen. Entstandene Schäden am Haar lassen sich oft nur mit einem erheblichen Pflegeaufwand wieder reparieren. Selbst hochwertige Pflegeprodukte stoßen an ihre Grenzen, um die ursprüngliche Haarstruktur vollständig wiederherzustellen. In vielen Fällen bleibt als einzige effektive Lösung nur der Verzicht auf ammoniakhaltige Produkte und das gesunde Herauswachsenlassen des Haares.
Ammoniak vs. Ammoniakfreie Haarfarben: Ein Vergleich
Angesichts der potenziellen Nachteile von Ammoniak sind viele Menschen auf der Suche nach Alternativen. Der Markt bietet heute eine Vielzahl von Haarfarben ohne Ammoniak an, die versprechen, schonender zum Haar zu sein. Doch sind diese Alternativen wirklich immer die bessere Wahl? Es gibt sowohl Vor- als auch Nachteile auf beiden Seiten, die es abzuwägen gilt.
Vorteile und Nachteile von Ammoniak in Haarfarben
| Vorteile von Ammoniak | Nachteile von Ammoniak |
|---|---|
| Hervorragende Grauhaarabdeckung, oft besser als bei Alternativen. | Kann das Haar austrocknen, strohig und splissig machen, fördert Haarbruch. |
| Intensivere und langanhaltendere Farbergebnisse. | Der typisch beißende Geruch kann Reizungen hervorrufen. |
| Verflüchtigt sich schnell, wodurch die Haare nicht dauerhaft aufgeraut werden. | Wiederholte Anwendung schwächt die Haarstruktur nachhaltig. |
| Gilt als das effektivste Alkalisierungsmittel, da es den pH-Wert nur kurz anhebt. | Kann Kopfhautreizungen verursachen. |
| Sehr gut wasserlöslich und daher leicht auswaschbar. | In größeren Mengen potenziell umweltschädlich. |
Alternativen zu Ammoniak: Wie funktioniert Haarefärben ohne den stechenden Geruch?
Um eine dauerhafte Haarfarbe zu erzielen, muss die Schuppenschicht des Haares unweigerlich geöffnet werden. Wenn kein Ammoniak verwendet wird, kommen andere Alkalisierungsmittel zum Einsatz. Eines der gängigsten ist Monoethanolamin (MEA), oft auch einfach als Ethanolamin bezeichnet. MEA wird aus einer Ammoniaklösung hergestellt und erfüllt denselben Zweck wie Ammoniak: Es hebt den pH-Wert des Haares an, damit die Schuppenschicht sich öffnet und die Farbpigmente eindringen können.
Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Flüchtigkeit. Während Ammoniak als flüchtiges Alkali schnell verfliegt, bleibt der pH-Wert bei nicht-flüchtigen Alternativen wie MEA während des gesamten Colorationsprozesses konstant hoch. Das bedeutet, dass die Schuppenschicht des Haares länger als nötig geöffnet bleibt. Dies kann paradoxerweise zu einer stärkeren Schädigung des Haares führen, da das Haar über einen längeren Zeitraum aufquillt und anfälliger für äußere Einflüsse wird. Der fehlende beißende Geruch mag zwar angenehmer sein, ist aber kein Garant für eine schonendere Behandlung des Haares. Auch Ethanolamine können Haut- und Lungenreizungen hervorrufen, wenn auch oft in geringerem Maße als Ammoniak.
Eine weitere Kategorie von Alternativen sind pflanzliche Haarfarben. Diese basieren oft auf Naturstoffen wie Henna, Indigo oder Kamille und arbeiten mit direktziehenden Farbstoffen, die sich außen am Haar anlagern, anstatt tief einzudringen. Produkte wie Wella EOS sind Beispiele für solche Pflanzen-Tönungen, die eine intensive und leuchtende Farbe erzielen können, während sie gleichzeitig die Haarstruktur stärken. Sie sind besonders schonend, bieten aber in der Regel eine geringere Grauhaarabdeckung und Haltbarkeit als permanente chemische Haarfarben.
Vorteile und Nachteile von ammoniakfreien Haarfarben
| Vorteile von ammoniakfreien Haarfarben | Nachteile von ammoniakfreien Haarfarben |
|---|---|
| Oft als schonender für Haar und Kopfhaut beworben. | Farbe in der Regel weniger intensiv und geringere Grauhaarabdeckung. |
| Geruchlos oder deutlich milder im Geruch. | Schnelleres Verblassen der Farbe möglich, häufigeres Nachfärben nötig. |
| Häufig mit zusätzlichen pflegenden Technologien angereichert. | Nicht-flüchtige Ersatzstoffe (wie Monoethanolamin) lassen das Haar länger quellen – Gefahr von Haarschäden. |
| Weniger Reizung für empfindliche Kopfhaut und Atemwege. | Gängige Ersatzstoffe können ebenfalls Haut und Lunge reizen. |
Beliebte Marken und Produkte ohne Ammoniak
Der Markt für Haarfarben ohne Ammoniak ist in den letzten Jahren erheblich gewachsen. Fast jeder namhafte Hersteller bietet mittlerweile entsprechende Produkte an, die oft mit innovativen Technologien angereichert sind, um trotz des Verzichts auf Ammoniak intensive Farben und gute Deckkraft zu gewährleisten:
- Goldwell Elumen: Diese Hochleistungshaarfarbe ist bekannt für ihr intelligentes System, das Farbpigmente präzise im Haar positioniert. Ohne Peroxid und Ammoniak erzielt Elumen sehr intensive, leuchtende und langanhaltende Ergebnisse, die für eine ammoniakfreie Farbe außergewöhnlich gut decken. Elumen Pure ist eine direktziehende Haarfarbe, die Pigmente außen am Haar anlegt und dabei sehr intensive, gut deckende Ergebnisse liefert, die jedoch schneller verblassen können als permanente Colorationen.
- L’Oréal Professionnel Paris iNOA: Eine permanente Coloration auf Ölbasis, die bis zu drei Stufen Aufhellung und bis zu 100 % Weißhaarabdeckung verspricht. Sie ist bekannt für ihre geruchlose Anwendung und das angenehme Gefühl auf der Kopfhaut, da sie ohne Ammoniak auskommt und auf Öl basiert.
- L’Oréal Dialight: Eine saure Intensivtönung mit niedrigem pH-Wert, ideal für poröses oder chemisch behandeltes Haar. Sie tönt sanft und ist weniger intensiv als alkalische Farben, dafür aber extrem schonend. Eine ähnliche saure Tönung ist SoColor Sync von Matrix.
- Schwarzkopf Zero Amm: Diese permanente Farbcreme arbeitet mit einer Phytolipid-Technologie. Sie enthält pflegende Öle, die in winzige Partikel verarbeitet werden, um die Pigmente besser ins Haarinnere zu transportieren. Zero Amm verspricht bis zu 100 % Weißabdeckung, drei Stufen Aufhellung und eine verbesserte Deckkraft.
- Fudge: Bietet eine Reihe ammoniakfreier Haarfarben an, darunter der Gel Toner, der zusätzlich ohne Parabene und PPD auskommt, vegan und tierversuchsfrei ist und mit Calendula-Blütenextrakt angereichert ist.
- Wella Shinefinity Glaze: Eine besonders sanfte Tönung ohne Ammoniak, die mit der modernen Balanced pH-Technologie arbeitet. Die Rezeptur ist zunächst leicht alkalisch, um die Schuppenschicht zu öffnen, und fällt dann in den sauren Bereich, um das Quellen des Haares zu stoppen und die Farbe zu versiegeln.
- Wella Color Touch Pure Naturals: Ammoniakfreie Intensivtönungen, die optimal den Naturton veredeln oder eine Coloration auffrischen, ohne das Haar zu stark zu belasten.
Fazit: Ammoniakfreie Haarfarbe – die bessere Wahl für Ihre Haargesundheit?
Die Debatte um Ammoniak in Haarfarben ist komplex. Einerseits ist Ammoniak seit Jahrzehnten ein bewährtes und äußerst effektives Alkalisierungsmittel, das für intensive Farben, langanhaltende Ergebnisse und hervorragende Grauhaarabdeckung sorgt. Seine flüchtige Natur bedeutet, dass die Schuppenschicht des Haares nur für die notwendige Zeit geöffnet wird, was theoretisch die Schädigung minimiert. Andererseits sind die Nachteile bei wiederholter Anwendung nicht zu leugnen: Trockenheit, Spliss, Haarbruch und Kopfhautreizungen sind reale Risiken, die die Haargesundheit beeinträchtigen können.

Ammoniakfreie Haarfarben sind eine vielversprechende Alternative, die oft mit einem angenehmeren Geruch und zusätzlichen Pflegeeigenschaften punkten. Doch auch hier gibt es Nuancen zu beachten. Ersatzstoffe wie Monoethanolamin sind zwar geruchlos, können aber das Haar potenziell länger aufquellen lassen, wenn sie nicht sorgfältig ausgespült werden oder die Formulierung nicht entsprechend angepasst ist. Die Farbintensität und Grauhaarabdeckung können bei einigen ammoniakfreien Produkten geringer sein, obwohl moderne Technologien hier ständig Fortschritte machen.
Letztendlich hängt die „beste“ Wahl von Ihren individuellen Bedürfnissen und Prioritäten ab. Wenn Sie eine sehr intensive, langanhaltende Farbe mit maximaler Grauhaarabdeckung wünschen und Ihr Haar robust ist, kann eine hochwertige Haarfarbe mit Ammoniak unter Umständen immer noch die effektivste Option sein, insbesondere wenn Sie nicht sehr häufig färben (z.B. alle 8 Wochen). Wenn Sie jedoch empfindliche Kopfhaut haben, Ihr Haar bereits geschädigt ist, Sie häufig färben oder einen sanfteren Ansatz bevorzugen, sind ammoniakfreie Produkte sicherlich eine sehr gute Alternative und empfehlenswert. Die Technologien entwickeln sich ständig weiter, und die Zukunft der Haarfarbe könnte tatsächlich zunehmend ammoniaklos sein, ohne Kompromisse bei der Leistung einzugehen. Es lohnt sich, die Inhaltsstoffe genau zu prüfen und gegebenenfalls professionellen Rat einzuholen, um die optimale Wahl für Ihre Haargesundheit und Ihre gewünschte Haarfarbe zu treffen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist Ammoniak und warum wird es in Haarfarben verwendet?
Ammoniak ist eine chemische Verbindung, die als Alkalisierungsmittel in Haarfarben dient. Es öffnet die äußere Schuppenschicht des Haares, damit die Farbpigmente tief in die Haarstruktur eindringen und dort dauerhaft verankert werden können. Es ist entscheidend für intensive und langanhaltende Farbergebnisse.
Welche kurz- und langfristigen Auswirkungen hat Ammoniak auf die Haargesundheit?
Kurzfristig sind die Auswirkungen bei einmaliger Anwendung meist gering. Langfristig und bei wiederholter Anwendung kann Ammoniak das Haar jedoch austrocknen, spröde und porös machen. Es fördert Haarbruch und Spliss, da die natürliche Schutzschicht des Haares geschwächt wird. Auch Kopfhautreizungen sind möglich.
Halten ammoniakfreie Haarfarben genauso gut wie ammoniakhaltige?
Moderne ammoniakfreie Haarfarben bieten oft sehr gute Ergebnisse in Bezug auf Farbintensität und Haltbarkeit. Während traditionelle ammoniakhaltige Farben oft als langanhaltender gelten, schließen neue Technologien diese Lücke zunehmend. Die Grauhaarabdeckung kann jedoch variieren, wird aber stetig verbessert.
Was sind die gängigsten Alternativen zu Ammoniak in Haarfarben?
Die häufigste Alternative ist Monoethanolamin (MEA), das ebenfalls die Schuppenschicht öffnet, aber geruchlos ist. Auch pflanzliche Haarfarben, die auf direktziehenden Farbstoffen basieren, stellen eine schonende Alternative dar.
Wie erkenne ich, ob eine Haarfarbe Ammoniak enthält?
Sie können die Inhaltsstoffliste auf der Verpackung überprüfen. Ammoniak wird dort oft als "Ammonia" oder "Ammonium" aufgeführt.
Ist der Geruch von Ammoniak schädlich?
Der beißende Geruch von Ammoniak kann bei empfindlichen Personen die Atemwege und Augen reizen. Obwohl er unangenehm ist, verflüchtigt sich Ammoniak schnell, was die Exposition begrenzt. Dennoch ist es ratsam, in gut belüfteten Räumen zu färben.
Kann ich ammoniakfreie Haarfarbe bei grauem Haar verwenden?
Ja, viele ammoniakfreie Haarfarben sind speziell dafür formuliert, graue Haare abzudecken. Die Effektivität kann je nach Produkt und dem Anteil an Grauhaaren variieren. Marken wie L’Oréal iNOA oder Schwarzkopf Zero Amm versprechen eine hohe Grauhaarabdeckung.
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