29/08/2018
Die Wirtschaft eines Landes ist ein komplexes Gefüge, das sich in verschiedene Bereiche unterteilen lässt, um ihre Struktur und Funktionsweise besser zu verstehen. Diese Einteilung in Wirtschaftssektoren hilft uns, die Wertschöpfungsketten nachzuvollziehen und die Bedeutung einzelner Branchen für die Gesamtwirtschaft zu erkennen. Ein zentraler und historisch prägender Bereich ist der sekundäre Sektor, der das Herzstück der materiellen Produktion bildet und seit Jahrhunderten die Entwicklung vieler Gesellschaften maßgeblich beeinflusst.

- Was ist der Sekundäre Sektor?
- Die fünf Wirtschaftssektoren im Überblick
- Die Bedeutung des Sekundären Sektors für eine Volkswirtschaft
- Welche Bereiche gehören zum Sekundären Sektor?
- Berufe im Sekundären Sektor
- Der Wandel des Sekundären Sektors: Vom Industriestaat zur Dienstleistungsgesellschaft
- Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was ist der Sekundäre Sektor?
Der sekundäre Sektor, auch als industrieller Sektor oder produzierendes Gewerbe bekannt, befasst sich mit der Verarbeitung von Rohstoffen, die im primären Sektor (Urproduktion) gewonnen wurden, zu Halbfertig- oder Fertigprodukten. Er ist somit die Schnittstelle zwischen der Gewinnung natürlicher Ressourcen und der Bereitstellung konsumfähiger Güter. Die Kernaktivitäten umfassen die Industrie und das Baugewerbe. Messgrößen, die seine Aktivität und Bedeutung widerspiegeln, sind unter anderem die Produktion, der Umsatz und die Aufträge.
Dieser Sektor ist für die Wertschöpfung einer Volkswirtschaft von entscheidender Bedeutung, da er Rohstoffe veredelt und damit deren Wert erheblich steigert. Von der Herstellung von Autos über Textilien bis hin zu komplexen Maschinen – all dies fällt in den Aufgabenbereich des sekundären Sektors.
Die fünf Wirtschaftssektoren im Überblick
Um die Rolle des sekundären Sektors vollständig zu erfassen, ist es hilfreich, ihn im Kontext der gesamten Wirtschaftssektoren zu betrachten. Traditionell wird die Wirtschaft in drei Hauptsektoren unterteilt, doch mit der fortschreitenden Spezialisierung und Komplexität moderner Volkswirtschaften haben sich weitere Sektoren herausgebildet.
Der Primärsektor: Die Urproduktion
Der Primärsektor bildet die Grundlage jeder Wirtschaft. Er umfasst alle Aktivitäten, die sich mit der direkten Gewinnung natürlicher Ressourcen befassen. Dazu gehören Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Bergbau. Er ist der älteste Wirtschaftssektor und war in vorindustriellen Gesellschaften der dominierende Bereich.
Der Sekundärsektor: Das Herz der Produktion
Wie bereits erwähnt, ist der sekundäre Sektor für die Verarbeitung der im Primärsektor gewonnenen Rohstoffe zuständig. Er wandelt diese in neue Produkte um. Dies geschieht in Fabriken, Werkstätten und auf Baustellen. Er ist der Motor für die materielle Entwicklung und den Wohlstand vieler Nationen.
Der Tertiärsektor: Der Dienstleistungsriese
Der Tertiärsektor umfasst alle Dienstleistungen, die nicht direkt mit der Produktion von Gütern verbunden sind. Dazu zählen Handel, Transport, Finanzdienstleistungen, Bildung, Gesundheitswesen, Tourismus und Unterhaltung. In entwickelten Ländern macht der Tertiärsektor oft den größten Anteil des Bruttoinlandsprodukts und der Beschäftigung aus.

Der Quartäre Sektor: Das Wissen von morgen
Als Abgrenzung innerhalb des Dienstleistungssektors hat sich der quartäre Sektor etabliert. Er bezieht sich auf wissensintensive Dienstleistungen und umfasst Forschung und Entwicklung, Informationstechnologie, Beratung und Medien. Dieser Sektor ist entscheidend für Innovation und technologischen Fortschritt.
Der Quintäre Sektor: Gesellschaftliche Werte und Dienste
Der Quintäre Sektor ist der jüngste und am wenigsten klar abgegrenzte Sektor. Er beinhaltet nicht-kommerzielle Dienstleistungen, die dem Gemeinwohl dienen, wie Umweltmanagement, Kultur, öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Teile des Gesundheitswesens. Oft wird er auch als Teil des tertiären oder quartären Sektors betrachtet, betont aber die Bereiche, die sich nicht direkt auf Gewinnmaximierung konzentrieren.
Zur besseren Übersicht hier eine Zusammenfassung der fünf Sektoren:
| Sektor | Hauptaktivität | Beispiele |
|---|---|---|
| Primärsektor | Rohstoffgewinnung (Urproduktion) | Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Bergbau, Fischerei |
| Sekundärsektor | Verarbeitung von Rohstoffen, Produktion von Gütern | Industrie, Handwerk, Baugewerbe, Energiewirtschaft |
| Tertiärsektor | Erbringung von Dienstleistungen | Handel, Transport, Finanzwesen, Tourismus, Bildung |
| Quartärer Sektor | Wissensbasierte Dienstleistungen, Forschung & Entwicklung | IT, Softwareentwicklung, Forschung, Beratung, Medien |
| Quintärer Sektor | Gesellschaftsbezogene Dienstleistungen, Gemeinwohl | Gesundheitswesen, Umweltmanagement, Kultur, öffentliche Verwaltung, Verteidigung |
Die Bedeutung des Sekundären Sektors für eine Volkswirtschaft
Obwohl der sekundäre Sektor in vielen entwickelten Ländern prozentual an Beschäftigten verliert, bleibt seine Bedeutung für die Gesamtwirtschaft immens. Er ist nicht nur ein direkter Produzent von Gütern, sondern auch ein wichtiger Motor für Wertschöpfung, technologischen Fortschritt und die Schaffung von Arbeitsplätzen.
- Wertschöpfung: Durch die Verarbeitung von Rohstoffen zu komplexen Produkten generiert der sekundäre Sektor einen erheblichen Mehrwert. Diese Wertschöpfung ist ein entscheidender Faktor für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes.
- Arbeitsplätze: Er bietet eine Vielzahl von Arbeitsplätzen, von Facharbeitern und Handwerkern bis hin zu Ingenieuren und Managern. Auch wenn die Zahl der direkten Arbeitsplätze in diesem Sektor durch Technologisierung und Automatisierung sinkt, schafft er indirekt viele Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor (z.B. Logistik, Wartung, Vertrieb).
- Innovation und Export: Der sekundäre Sektor ist oft die treibende Kraft hinter Innovationen, da hier neue Materialien, Produktionsverfahren und Produkte entwickelt werden. Diese Innovationen stärken die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes auf dem Weltmarkt und sind entscheidend für den Export von Gütern.
- Grundlage für andere Sektoren: Viele Dienstleistungen (Tertiärsektor) und wissensbasierte Aktivitäten (Quartärsektor) sind eng mit den Produkten und Prozessen des sekundären Sektors verknüpft. Ohne die Industrie gäbe es beispielsweise keine Maschinen, die gewartet oder deren Software entwickelt werden müsste.
Welche Bereiche gehören zum Sekundären Sektor?
Der sekundäre Sektor ist vielfältig und umfasst mehrere wichtige Bereiche:
- Produzierendes Gewerbe: Dies ist der größte Teilbereich und beinhaltet die Herstellung von Gütern in Fabriken und Werkstätten.
- Energiegewinnung: Die Erzeugung von Strom und Wärme, beispielsweise in Kraftwerken, ist ebenfalls Teil des sekundären Sektors, da hier Rohstoffe (Kohle, Gas, Uran) in Energie umgewandelt werden.
- Wasserwirtschaft: Die Aufbereitung und Verteilung von Wasser gehört ebenso dazu, da hier ein natürlicher Rohstoff (Wasser) durch Prozesse nutzbar gemacht wird.
- Aufbereitung von Bergbauprodukten: Nach der Gewinnung im Primärsektor werden diese Produkte oft weiterverarbeitet, um sie für die Industrie nutzbar zu machen.
- Verarbeitendes Gewerbe: Dies ist ein Synonym für das produzierende Gewerbe und umfasst alle Branchen, die Rohstoffe oder Halbfertigprodukte zu fertigen Gütern verarbeiten.
- Handwerk: Viele Handwerksberufe, insbesondere im Bau- und Ausbaugewerbe, fallen in den sekundären Sektor, da sie Materialien verarbeiten und Bauwerke errichten oder instand halten.
- Baugewerbe: Der Bau von Gebäuden, Straßen und Infrastruktur ist ein zentraler Bestandteil des sekundären Sektors und erfordert die Verarbeitung einer Vielzahl von Materialien.
Berufe im Sekundären Sektor
Der industrielle Sektor bietet eine breite Palette an Berufen, die sowohl hoch qualifizierte Spezialisten als auch weniger qualifizierte Arbeitskräfte umfassen. Die Anforderungen haben sich jedoch mit der fortschreitenden Automatisierung und Digitalisierung stark gewandelt.
- Industriemeister: Sie sind die Führungskräfte in der Produktion, verantwortlich für die Koordination von Arbeitsabläufen und die Sicherstellung der Qualität.
- Facharbeiter: Dazu gehören spezialisierte Berufe wie Maschinen- und Anlagenführer, Industriemechaniker, Elektroniker für Automatisierungstechnik, die Maschinen bedienen, warten und reparieren.
- Bauarbeiter: Eine breite Kategorie, die Maurer, Betonbauer, Straßenbauer und viele andere umfasst, die auf Baustellen körperlich und handwerklich tätig sind.
- Maurer: Experten im Errichten von Mauern und Gebäudeteilen aus Stein oder Beton.
- Produktionsmechaniker: Sie montieren und warten Maschinen und Anlagen in der Fertigung.
- Ingenieure: Eine Schlüsselrolle in diesem Sektor. Ingenieure (Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemieingenieurwesen) entwickeln neue Produkte, optimieren Produktionsprozesse und forschen an zukunftsweisenden Technologien.
- Chemiker: Besonders wichtig in der chemischen Industrie, wo sie neue Materialien und Prozesse entwickeln.
- Mechaniker: Wartung und Reparatur von Fahrzeugen, Maschinen und Anlagen.
- Monteure: Spezialisten für die Montage von Bauteilen und Anlagen, oft auch vor Ort beim Kunden.
- Tischler/Schreiner: Sie verarbeiten Holz zu Möbeln, Fenstern, Türen oder Innenausbauten und sind somit ein klassisches Beispiel für das Handwerk im sekundären Sektor.
Diese Berufe erfordern oft eine Mischung aus technischem Verständnis, handwerklichem Geschick und der Bereitschaft zur Weiterbildung, da sich die Technologien ständig weiterentwickeln.
Der Wandel des Sekundären Sektors: Vom Industriestaat zur Dienstleistungsgesellschaft
In den letzten zwei Jahrhunderten hat der sekundäre Sektor einen tiefgreifenden Strukturwandel erlebt, der die Gesellschaften weltweit geprägt hat. Von der Dominanz des Agrarsektors im 19. Jahrhundert bis zur heutigen Ära der Dienstleistungsgesellschaften – die Entwicklung ist faszinierend.

Historischer Rückblick und der Weg zur Tertiärisierung
Die Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert führte zu einer massiven Verlagerung der Arbeitskräfte vom Primär- in den Sekundärsektor. Fabriken entstanden, Städte wuchsen, und die industrielle Produktion wurde zum Rückgrat der Wirtschaft. Doch dieser Höhepunkt war nicht von Dauer. Mit der Automatisierung und der Steigerung der Produktivität durch neue Technologien – von der Fließbandarbeit bis zur Robotik – wurden immer weniger Arbeitskräfte für die gleiche Menge an Produktion benötigt.
Gleichzeitig stieg in wohlhabenderen Gesellschaften die Nachfrage nach Dienstleistungen. Freizeitangebote, Gesundheitsversorgung, Finanzdienstleistungen und später auch digitale Dienste gewannen immens an Bedeutung. Dies führte zu einer schrittweisen „Tertiärisierung“ der Wirtschaft, bei der der Dienstleistungssektor zunehmend an Bedeutung gewann und zum größten Arbeitgeber wurde.
Anteil der Beschäftigten: Zahlen und Fakten
Diese Entwicklung lässt sich eindrucksvoll an den Beschäftigungszahlen ablesen. In Deutschland waren beispielsweise im Jahr 1970 noch 46,5 Prozent der Erwerbstätigen im produzierenden Gewerbe tätig. Dieser Anteil sank kontinuierlich auf 31,9 Prozent im Jahr 1995 und erreichte 2019 nur noch knapp 24,1 Prozent. Heute liegt der bundesweite Anteil des sekundären Sektors bei rund 25 Prozent der Erwerbstätigen.
Dieser Rückgang ist nicht unbedingt ein Zeichen von Schwäche, sondern vielmehr ein Indikator für Effizienzsteigerungen durch Innovation und eine Verschiebung der wirtschaftlichen Schwerpunkte.
Regionale Unterschiede in Deutschland
Obwohl der Anteil des sekundären Sektors bundesweit gesunken ist, gibt es in Deutschland erhebliche regionale Unterschiede. Nach der deutschen Wiedervereinigung erlebten insbesondere die neuen Bundesländer eine starke Deindustrialisierung, die zu einem deutlichen Rückgang der Industrie führte. Heute erreichen nur noch einzelne ostdeutsche Industrieregionen Anteile von über 30 Prozent, wobei Südthüringen mit fast 37 Prozent den höchsten Anteil aufweist.
Im Westen Deutschlands finden sich traditionelle gewerbliche Spezialisierungen in Regionen wie dem Schwarzwald und Ostwürttemberg, wo der Anteil des produzierenden Gewerbes teilweise noch knapp über 40 Prozent liegt. Diese Regionen sind oft durch Nischenprodukte im Fahrzeugbau, der Textil-, Leder-, Feinmechanik-, Glas- oder Keramikindustrie geprägt und konnten sich durch Spezialisierung und hohe Qualität behaupten.

Im Gegensatz dazu haben sich große Ballungsgebiete wie Berlin, Hamburg, das Ruhrgebiet oder das Rhein-Main-Gebiet zu bedeutenden Dienstleistungszentren entwickelt. Hier macht das produzierende Gewerbe oft nur noch einen geringen Anteil von teilweise deutlich unter 20 Prozent aus, da der Fokus auf Dienstleistungen, Handel und Verwaltung liegt.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was ist der sekundäre Sektor einfach erklärt?
Der sekundäre Sektor ist der Wirtschaftsbereich, in dem Rohstoffe verarbeitet und zu fertigen oder halbfertigen Produkten hergestellt werden. Er umfasst hauptsächlich die Industrie und das Baugewerbe. Man könnte ihn als die „Fabrik“ oder „Werkstatt“ einer Volkswirtschaft bezeichnen.
Was ist der Unterschied zwischen primären und sekundären Sektoren?
Der primäre Sektor befasst sich mit der Gewinnung von Rohstoffen direkt aus der Natur (z.B. Landwirtschaft, Bergbau). Der sekundäre Sektor hingegen verarbeitet diese Rohstoffe weiter, um daraus neue Produkte herzustellen (z.B. Automobilbau, Textilindustrie). Der primäre Sektor liefert die Grundlagen, der sekundäre Sektor veredelt sie.
Welche Berufe gehören zum sekundären Sektor?
Typische Berufe im sekundären Sektor sind Industriemeister, Facharbeiter (z.B. Industriemechaniker, Elektroniker), Bauarbeiter (Maurer, Zimmerleute), Ingenieure (Maschinenbau, Elektrotechnik), Chemiker, Produktionsmechaniker und Schreiner. Es sind Berufe, die sich mit der Herstellung, Montage, Wartung und Entwicklung materieller Güter befassen.
Warum hat der sekundäre Sektor an Bedeutung verloren?
Der sekundäre Sektor hat prozentual an Beschäftigten verloren, primär aufgrund von Automatisierung und Technologisierung, die die Produktivität steigern und weniger manuelle Arbeit erfordern. Zudem hat die Globalisierung dazu geführt, dass Produktion in Länder mit geringeren Lohnkosten verlagert wird. Gleichzeitig wuchs in entwickelten Volkswirtschaften die Nachfrage nach Dienstleistungen, was zu einer Verschiebung der Arbeitskräfte in den tertiären Sektor führte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der sekundäre Sektor trotz seines Wandels und des relativen Rückgangs an direkter Beschäftigung ein unverzichtbarer Bestandteil jeder modernen Volkswirtschaft bleibt. Er ist die Quelle für materielle Güter, treibt technologische Innovationen voran und schafft die Grundlage für viele Dienstleistungen. Sein Verständnis ist entscheidend, um die Dynamik und die zukünftigen Herausforderungen der globalen Wirtschaft zu erfassen.
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