Welche Vorteile bietet die silikonversiegelung für die Haare?

Silikone im Haar: Freund oder Feind?

10/01/2022

Rating: 4.68 (16180 votes)

Sie versprechen weiches, glänzendes und leicht kämmbares Haar – Silikone sind seit Langem feste Bestandteile vieler Haarpflegeprodukte. Doch gleichzeitig werden sie von zahlreichen Haar-Expert:innen gemieden und sind Gegenstand hitziger Debatten. Was steckt hinter dem schlechten Ruf dieses Inhaltsstoffs? Sind Silikone wirklich giftig oder schädlich für unser Haar? Wir tauchen tief in die Welt der Silikone ein, erklären ihre Funktionsweise, identifizieren die verschiedenen Typen und beleuchten, warum ein bewusster Umgang mit ihnen entscheidend für die Gesundheit Ihrer Haare sein kann.

Welche Vorteile bietet die silikonversiegelung für die Haare?
Zunächst sorgt das Silikone für glänzende, seidenweiche und gesund aussehende Haare. Nach mehrfacher Anwendung verkleben die Haare jedoch mehr und mehr. Darüber hinaus führt die Silikonversiegelung dazu, dass das Haar nicht mehr mit wichtigen Mineralien/Vitaminen versorgt werden kann.
Inhaltsverzeichnis

Was sind Silikone und ihre Wirkung auf das Haar?

Um die Debatte zu verstehen, müssen wir zunächst klären, was Silikone überhaupt sind. Silikon ist ein künstlich hergestellter Stoff, der in einer Vielzahl von Haushalts- und Kosmetikprodukten, insbesondere aber in der Haarpflege – von Shampoos und Pflegespülungen bis hin zu Hitzeschutzmitteln – eingesetzt wird. Seine Hauptfunktion im Haar ist es, eine glatte, schützende Schicht um den Haarschaft zu legen. Diese Schicht sorgt dafür, dass Feuchtigkeit im Haar gespeichert wird, die Schuppenschicht angelegt bleibt und sich das Haar unglaublich weich, seidig und geschmeidig anfühlt. Krauses Haar, matte Strähnen und Knoten werden reduziert. Darüber hinaus bieten Silikone einen gewissen Schutz vor Schäden durch Hitzestyling-Geräte wie Föhn und Glätteisen. Sie verleihen Produkten auch eine angenehme cremige und glatte Konsistenz, was das Gefühl von Luxus vermittelt. Auf den ersten Blick scheinen Silikone also ein Wundermittel für schönes Haar zu sein. Doch die Medaille hat zwei Seiten.

Die verschiedenen Silikonarten in Haarprodukten

Es gibt nicht nur das eine Silikon. Tatsächlich lassen sich die in Haarprodukten verwendeten Silikone in drei Hauptkategorien einteilen, die sich in ihrer Struktur und vor allem in ihrer Auswaschbarkeit unterscheiden:

  • Wasserlösliche Silikone: Diese Silikone sind so konzipiert, dass sie sich leicht mit Wasser aus dem Haar entfernen lassen. Sie gelten als die „leichteren“ Silikone und sind weniger anfällig für Ablagerungen.
  • Unlösliche Silikone: Diese Art von Silikon lässt sich nicht einfach mit Wasser auswaschen. Sie haften stärker am Haar und können sich mit der Zeit ansammeln, was zu unerwünschten Effekten führen kann.
  • Flüchtige oder verdampfende Silikone: Diese Silikone sind besonders leicht und verdampfen nach der Anwendung innerhalb von etwa 10 Minuten bis zwei Stunden aus dem Haar. Sie hinterlassen kaum Rückstände und sind daher ebenfalls unproblematischer.

Das Wissen um diese Unterscheidung ist entscheidend, denn während wasserlösliche und flüchtige Silikone in moderaten Mengen unbedenklich sein können, stellen unlösliche Silikone oft das Kernproblem dar.

Das Problem mit Silikonen: Ablagerungen und ihre Folgen

Der Hauptkritikpunkt an Silikonen liegt in ihrer filmbildenden Eigenschaft. Während die schützende Versiegelung des Haarschafts zunächst Vorteile bietet, kann sie gleichzeitig verhindern, dass andere, nährende Wirkstoffe von außen in die Haarfollikel eindringen. Dies ist besonders bei unlöslichen Silikonen der Fall, die sich mit der Zeit im Haar und auf der Kopfhaut ablagern können. Diese Ablagerungen sind der Kern des Problems:

  • Schweres, kraftloses Haar: Die Extraschicht um jedes Haar kann dazu führen, dass sich das Haar schwer anfühlt, an Volumen verliert und platt wirkt.
  • Trockenes und stumpfes Haar: Obwohl Silikone Feuchtigkeit einschließen, können sie langfristig verhindern, dass das Haar von außen ausreichend mit Feuchtigkeit und Nährstoffen versorgt wird. Das Haar wird trocken, stumpf und kann schneller brechen.
  • Kopfhautirritationen: Ablagerungen auf der Kopfhaut können die Poren verstopfen, was zu Hautirritationen, Rötungen, Juckreiz und sogar Schuppen führen kann.

Es ist wichtig zu betonen: Silikon selbst ist keine giftige Chemikalie und gilt als unbedenklich für den Körper. Das Problem liegt nicht in einer direkten toxischen Wirkung, sondern in den mechanischen und physiologischen Effekten der Ablagerungen. Solange Silikone sich nicht ansammeln, sind sie für das Haar unproblematisch. Dies lässt sich durch die Verwendung wasserlöslicher oder flüchtiger Silikone, die leichte Auswaschbarkeit bieten, oder durch eine reduzierte Anwendungshäufigkeit vermeiden.

Silikone in Produkten erkennen: Ein Leitfaden

Die Suche nach Silikonen auf der Inhaltsstoffliste (INCI) von Shampoo- oder Conditioner-Flaschen kann trügerisch sein, da das Wort „Silikon“ selten direkt auftaucht. Stattdessen gibt es viele verschiedene Bezeichnungen. Die Faustregel lautet: Alles, was auf „-cone“ endet, ist in der Regel eine Form von Silikon.

Einige Beispiele und Merkmale zur Erkennung:

  • Endung „-cone“: Dimethicone, Cyclomethicone, Amodimethicone, Phenyl Trimethicone, Cetearyl Methicone.
  • Vorsilbe „PEG-“: Inhaltsstoffe mit der Vorsilbe PEG (Polyethylenglykol) sind oft wasserlösliche Silikone, die leichter auswaschbar sind. Beispiele sind Dimethicone Copolyol oder PEG-7 Amodimethicone.

Die Reihenfolge der Inhaltsstoffe auf der Liste ist ebenfalls aufschlussreich: Je weiter oben ein Stoff genannt wird, desto höher ist sein Anteil im Produkt. Steht ein „-cone“-Inhaltsstoff weit oben, enthält das Produkt einen höheren Prozentsatz an Silikonen.

Häufige Silikonbezeichnungen im Überblick

SilikontypEigenschaftenBeispiele für INCI-Namen
Wasserlösliche SilikoneLeicht auswaschbar, geringe AblagerungDimethicone Copolyol, Dimethicone PEG-8 Phosphate, PEG-7 Amodimethicone, Stearoxy Dimethicone
Unlösliche SilikoneHaften stark, bilden Ablagerungen, schwer auswaschbarDimethicon, Dimethiconol, Stearyldimethicon, Cetyldimethicon, Cetearyldimethicon
Flüchtige SilikoneVerdampfen nach kurzer Zeit, hinterlassen kaum RückständeCyclomethicone, Cyclopentasiloxane

Vorsicht ist geboten bei Produkten, die als „silikonfrei“ beworben werden. Manchmal verzichten Hersteller nur auf die „schweren“, unlöslichen Silikone, während leichtere, wasserlösliche Varianten weiterhin enthalten sein können. Wer absolute Silikonfreiheit wünscht, sollte immer die vollständige Inhaltsstoffliste prüfen.

Der Umstieg auf silikonfreie Haarpflege: Eine Umgewöhnungsphase

Der Wechsel von silikonhaltigen zu silikonfreien Produkten erfordert Geduld und die richtigen Produkte. Je nachdem, wie stark die Silikonablagerungen im Haar sind, kann es eine Weile dauern, bis sie vollständig entfernt sind. In der Regel sind fünf bis acht Haarwäschen nötig, bis sich die Silikonschicht vom Haar löst. Ein spezielles Detox-Shampoo kann diesen Prozess beschleunigen.

In der Umgewöhnungsphase kann Ihr Haar zunächst ungewohnt reagieren:

  • Verändertes Haargefühl: Das Haar fühlt sich anfangs möglicherweise nicht mehr so seidig an wie zuvor. Es kann sich strohiger, schwerer oder gar klebrig anfühlen, da die Silikonschicht, die die Unebenheiten glättete, fehlt.
  • Mehr Verknotungen: Da die Silikonbeschichtung die Gleitfähigkeit des Haares verbessert, können sich die Haare zu Beginn ohne Silikone leichter verknoten und verheddern.

Diese anfänglichen Schwierigkeiten sind normal und legen sich, sobald die Silikonablagerungen vollständig entfernt sind und alternative, feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe in das Haar eindringen können. Dann beginnt das Haar, in sein natürliches Gleichgewicht zurückzufinden. Die Gleitfähigkeit verbessert sich, die Reibung nimmt ab, und das Haar kann Feuchtigkeit wieder selbstständig halten. Es gewinnt an natürlichem Glanz, fühlt sich leichter an und wirkt voluminöser.

Wichtige Unterstützung in der Umstellungsphase

Um das Haar während des Umstiegs zu unterstützen, ist es entscheidend, ihm intensive Feuchtigkeitsquellen zu bieten. Setzen Sie auf natürliche Öle und Wirkstoffe:

  • Pflanzliche Öle: Jojobaöl, Arganöl, Kokosöl oder Mandelöl sind hervorragende Spender für Feuchtigkeit und Nährstoffe. Sie können als Pre-Wash-Kur, Leave-in-Pflege oder als Spitzenpflege verwendet werden.
  • Aloe Vera: Bekannt für ihre feuchtigkeitsspendenden und beruhigenden Eigenschaften, ideal für Haar und Kopfhaut.
  • Sheabutter: Nährt das Haar intensiv und sorgt für Geschmeidigkeit.

Diese natürlichen Inhaltsstoffe helfen dem Haar, seine Struktur zu regenerieren und den natürlichen Glanz sowie die Weichheit zurückzugewinnen, ohne es zu beschweren.

Ist silikonfreies Shampoo wirklich besser?

Ob silikonfreie Haarpflege „besser“ ist, hängt von individuellen Bedürfnissen und Haartypen ab. Silikone sind, wie bereits erwähnt, nicht direkt bedenklich oder gesundheitsschädlich. Ihr Hauptproblem liegt darin, dass sie andere Wirkstoffe davon abhalten können, ins Haar einzudringen und sich mit der Zeit ablagern. Die positiven Effekte wie Weichheit und Glanz sind oft nur von kurzer Dauer und verschwinden, sobald die Silikonschicht abgetragen ist oder das Haar durch Ablagerungen überladen wird.

Es lohnt sich, den Gebrauch von Silikonen zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten, besonders wenn Sie zu feinem Haar, einer sensiblen Kopfhaut oder schnellen Ablagerungen neigen. Dickes, widerspenstiges Haar kann von leichten, auswaschbaren Silikonen profitieren, um es leichter bändigen zu können, sollte aber dennoch nicht täglich damit behandelt werden. Sehr feine, seidige Haare benötigen in der Regel gar keine Silikone, höchstens als gelegentlichen Hitzeschutz.

Achten Sie auf die Signale Ihres Haares und Ihrer Kopfhaut: Fühlt sich Ihr Haar platt, kraftlos oder matt an? Zeigt Ihre Kopfhaut Rötungen, Juckreiz oder verstopfte Poren? Dies sind klare Warnsignale für mögliche Silikonablagerungen, die eine Pause oder den Umstieg auf silikonfreie Produkte ratsam machen.

Empfehlungen für silikonfreie Haarpflegeprodukte

Inzwischen ist der Markt für silikonfreie Haarpflegeprodukte riesig und Sie müssen nicht mehr ausschließlich auf teure Naturkosmetik oder Apothekenprodukte setzen. Viele Drogeriemärkte bieten eine breite Palette an erschwinglichen Shampoos, Conditionern und Haarkuren ohne Silikone an.

Einige beliebte silikonfreie Spülungen:

  • Super Leaves Science Conditioner Nourishing & Strengthening von ATTITUDE
  • Alchimiste Conditioner Rosemary & Ginger von Jean & Len
  • BJÖRK & BERRIES NEVER SPRING CONDITIONER
  • CHRISTOPHE ROBIN CLEANSING VOLUMISING CONDITIONER WITH ROSE EXTRACTS
  • Easy Lisse Conditioner von ALFAPARF MILANO
  • Fester Conditioner von Lush
  • GISOU HONEY INFUSED LEAVE-IN CONDITIONER
  • Intensive Repair Haarspülung von L'Occitane
  • Like a Virgin Super Hydrating Conditioner von Coco & Eve
  • RAHUA HYDRATION CONDITIONER
  • Repair Haarspülung Hanf von i+m Naturkosmetik

Häufig gestellte Fragen zu Silikonen in der Haarpflege

Sind Silikone giftig für das Haar?

Nein, Silikone sind nicht giftig für das Haar oder den Körper. Das Problem liegt vielmehr in den Ablagerungen, die sich besonders bei unlöslichen Silikonen bilden können. Diese Ablagerungen verhindern, dass nährende Stoffe in das Haar eindringen, können das Haar beschweren und zu Kopfhautirritationen führen.

Wie lange dauert es, bis Silikone aus dem Haar gewaschen sind?

Es dauert in der Regel etwa fünf bis acht Haarwäschen, bis die Silikonschicht vollständig vom Haar gelöst ist. Ein Detox-Shampoo kann diesen Prozess beschleunigen.

Warum fühlen sich meine Haare nach dem Umstieg auf silikonfreie Produkte schlechter an?

In der Umgewöhnungsphase kann sich das Haar zunächst strohiger oder schwerer anfühlen und sich leichter verknoten. Dies liegt daran, dass die glättende Silikonschicht fehlt und das Haar seine natürliche Struktur zeigt. Sobald die Ablagerungen entfernt sind und das Haar wieder Feuchtigkeit aufnehmen kann, verbessert sich das Haargefühl deutlich.

Welche Silikone sollte ich unbedingt meiden?

Sie sollten besonders auf unlösliche Silikone wie Dimethicon, Dimethiconol, Stearyldimethicon oder Cetyldimethicon achten, da diese sich stark ablagern und nur schwer auswaschen lassen. Wasserlösliche und flüchtige Silikone sind in der Regel unproblematischer.

Können Silikone Haarausfall verursachen?

Silikone selbst verursachen keinen Haarausfall. Allerdings können die Ablagerungen auf der Kopfhaut die Haarfollikel verstopfen und zu Irritationen führen, was indirekt die Haargesundheit beeinträchtigen und in seltenen Fällen zu dünner werdendem Haar beitragen könnte. Direkter Haarausfall ist jedoch nicht die Folge.

Fazit: Eine bewusste Entscheidung für Ihr Haar

Die Debatte um Silikone ist komplex und nicht schwarz-weiß. Es gibt keine einfache Antwort darauf, ob sie „gut“ oder „schlecht“ sind. Vielmehr geht es um eine bewusste Entscheidung, die auf dem Verständnis der verschiedenen Silikonarten, der eigenen Haarbedürfnisse und der Reaktion des Haares basiert.

Hören Sie auf Ihr Haar und Ihre Kopfhaut. Sie sind die besten Indikatoren für die Gesundheit Ihrer Haare. Wenn Ihr Haar platt, kraftlos oder stumpf wirkt oder Ihre Kopfhaut juckt und irritiert ist, könnte dies ein Zeichen für zu viele Silikonablagerungen sein. In solchen Fällen ist eine Reduzierung des Gebrauchs oder ein kompletter Umstieg auf silikonfreie Produkte ratsam.

Letztendlich gilt: Reduzieren Sie den Gebrauch von Silikonen so weit wie möglich und legen Sie immer dann eine Pause ein, wenn Haut und Haar klare Warnsignale senden. Eine ausgewogene Haarpflege, die auf die individuellen Bedürfnisse eingeht und auf natürliche Feuchtigkeitsquellen setzt, ist der Schlüssel zu gesundem, glänzendem und widerstandsfähigem Haar.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Silikone im Haar: Freund oder Feind? kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Haarpflege besuchen.

Go up