09/11/2017
Für viele Menschen ist es eine gewohnte Beobachtung: Man möchte sich die Haare schneiden lassen oder eine neue Frisur ausprobieren, doch am Montag bleiben die Türen der meisten Friseursalons verschlossen. Dieses Phänomen ist so weit verbreitet, dass es kaum noch hinterfragt wird. Doch warum ist das so? Steckt dahinter eine alte Tradition, praktische Überlegungen oder vielleicht sogar gesetzliche Vorgaben? Die Antwort ist eine vielschichtige Mischung aus Geschichte, Arbeitsorganisation und Kundenerwartungen, die das Friseurhandwerk über Generationen geprägt hat.

Die Hauptursache für die montägliche Schließung vieler Friseursalons liegt in einer tief verwurzelten Tradition. Früher war der Sonntag der Tag der Kirche und der Familie, an dem nicht gearbeitet wurde. Da viele Menschen ihre freien Sonntage nutzten, um sich für die neue Woche schick zu machen, waren Samstage für Friseure oft die umsatzstärksten Tage. Der Samstag war ein Arbeitstag von früh bis spät, oft mit Überstunden, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden. Folglich brauchten die Friseure einen Ausgleichstag, um sich von der anstrengenden Arbeitswoche zu erholen und neue Energie zu sammeln. Der Montag bot sich hierfür an, da er historisch gesehen ein eher ruhiger Tag für Dienstleistungen war und viele Geschäfte, insbesondere des Einzelhandels, nach dem Wochenende ebenfalls erst langsam wieder anliefen.
Diese Praxis etablierte sich über Jahrzehnte und wurde zu einer Art ungeschriebenem Gesetz innerhalb der Branche. Es ist ein Brauch, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde und sich in vielen Regionen Deutschlands, aber auch in anderen europäischen Ländern, fest etabliert hat. Die Schließung am Montag diente somit nicht nur der Erholung der Friseure, sondern auch der Organisation des Betriebs, da am Wochenende oft keine Zeit für administrative Aufgaben blieb.
Praktische Gründe für den montäglichen Ruhetag
Neben der Tradition gibt es eine Reihe von sehr pragmatischen Gründen, die für die montägliche Schließung sprechen und die auch heute noch relevant sind:
- Regeneration des Personals: Friseure leisten körperlich anspruchsvolle Arbeit. Sie stehen den ganzen Tag, bewegen sich viel, arbeiten präzise mit den Händen und haben oft direkten Kundenkontakt, der auch mental fordernd sein kann. Ein freier Montag nach einem arbeitsreichen Samstag und Sonntag (falls geöffnet) ermöglicht eine dringend benötigte Pause. Dies trägt zur Mitarbeiterzufriedenheit und zur Vorbeugung von Burnout bei.
- Administrative Aufgaben und Organisation: Der Montag wird oft genutzt, um Aufgaben zu erledigen, die während des laufenden Betriebs nicht möglich sind. Dazu gehören die Inventur, die Bestellung neuer Produkte, die Reinigung und Wartung von Geräten, die Buchhaltung oder die Planung von Terminen und Personaleinsatzplänen für die kommende Woche. Ohne den Kundenverkehr können diese Aufgaben effizienter und in Ruhe erledigt werden.
- Schulungen und Weiterbildungen: Die Friseurbranche ist ständig in Bewegung. Neue Techniken, Produkte und Trends erfordern regelmäßige Fortbildung. Der Montag ist für viele Salons der ideale Tag, um Schulungen für das gesamte Team zu organisieren, ohne den regulären Betrieb zu stören. So bleiben die Mitarbeiter auf dem neuesten Stand und können ihren Kunden stets die besten und modernsten Dienstleistungen anbieten.
- Lieferanten und Großhändler: Viele Lieferanten für Friseurbedarf, Produkte und Farben sind ebenfalls am Wochenende geschlossen und beginnen ihre Lieferungen erst am Montag. Eine Schließung des Salons am Montag kann die Logistik vereinfachen, da Ware in Ruhe angenommen und verräumt werden kann, ohne den Kundenverkehr zu behindern.
- Kundenfrequenz: Historisch gesehen waren Montage oft die Tage mit der geringsten Kundenfrequenz. Viele Menschen arbeiten am Montag und haben weniger Zeit für Friseurbesuche als zum Beispiel am Freitag oder Samstag. Obwohl sich das Arbeitsleben und die Verfügbarkeit der Kunden im Laufe der Zeit geändert haben, bleibt der Montag oft ein vergleichsweise ruhiger Tag.
Gibt es Ausnahmen? Der Wandel in der Branche
Obwohl die montägliche Schließung weit verbreitet ist, ist sie keineswegs universell. Die Branche befindet sich in einem stetigen Wandel, und immer mehr Salons passen ihre Öffnungszeiten an die Bedürfnisse einer modernen Gesellschaft an. Es gibt eine wachsende Zahl von Ausnahmen, die beweisen, dass Flexibilität in der heutigen Zeit immer wichtiger wird.
Ein bekanntes Beispiel ist der Friseur im Hamburger Hauptbahnhof, der – wie auch in anderen großen Verkehrsknotenpunkten oder Einkaufszentren – an 365 Tagen im Jahr geöffnet hat. Solche Salons bedienen eine andere Klientel: Reisende, Pendler oder spontane Kunden, die auch außerhalb der traditionellen Geschäftszeiten einen Friseurbesuch wünschen. Diese Salons sind oft Teil größerer Ketten oder Konzepte, die eine durchgehende Besetzung und Schichtarbeit ermöglichen.
Weitere Ausnahmen sind:
- Friseursalons in Einkaufszentren: Viele dieser Salons orientieren sich an den Öffnungszeiten des Einkaufszentrums und sind daher auch montags geöffnet, um die Laufkundschaft zu nutzen.
- Salons in touristischen Gebieten: In Urlaubsregionen oder Großstädten mit hohem Tourismusaufkommen können Friseure auch montags öffnen, um den Bedarf der Besucher zu decken.
- Spezialisierte Salons: Einige Barbershops oder Salons, die sich auf bestimmte Nischenmärkte konzentrieren, können ebenfalls von den traditionellen Öffnungszeiten abweichen, um ihren Kundenstamm besser zu bedienen.
- Große Salonketten: Größere Unternehmen haben oft die Ressourcen, um flexiblere Modelle anzubieten, einschließlich Schichtarbeit und unterschiedlicher Ruhetage für das Personal, wodurch der Salon an mehr Tagen geöffnet bleiben kann.
Diese Entwicklung zeigt, dass sich das Friseurhandwerk an die gestiegenen Erwartungen der Kunden anpassen muss, die immer mehr Flexibilität und Verfügbarkeit wünschen. Während kleine, traditionelle Salons oft an der montäglichen Schließung festhalten, experimentieren größere Betriebe und neue Konzepte mit erweiterten Öffnungszeiten.
Trotz des Trends zur Flexibilität bietet der feste freie Montag für viele Salonbetreiber und ihre Teams weiterhin klare Vorteile:
- Planbarkeit: Ein fester Ruhetag vereinfacht die Personalplanung und die Organisation von privaten Terminen für die Mitarbeiter.
- Teamzusammenhalt: Wenn alle Mitarbeiter den gleichen freien Tag haben, können gemeinsame Aktivitäten oder Team-Events leichter geplant werden.
- Qualitätssicherung: Die ungestörte Zeit für Weiterbildungen und administrative Aufgaben trägt direkt zur Qualität der angebotenen Dienstleistungen bei.
- Arbeitgeberattraktivität: Ein klar definierter freier Tag, insbesondere nach dem arbeitsintensiven Wochenende, kann ein Pluspunkt bei der Gewinnung und Bindung von qualifiziertem Personal sein.
Vergleich: Montag geschlossen vs. Montag geöffnet
Um die Vor- und Nachteile besser zu verstehen, betrachten wir eine kleine Vergleichstabelle:
| Merkmal | Montag geschlossen | Montag geöffnet (mit alternativen Ruhetagen) |
|---|---|---|
| Tradition & Image | Folgt etablierter Branchennorm, oft als Zeichen für Qualität und Beständigkeit wahrgenommen. | Modernes, kundenorientiertes Image, bricht mit Konventionen. |
| Mitarbeiterzufriedenheit | Fester freier Tag für alle, fördert Teamgefühl und Erholung nach dem Wochenende. | Individuellere freie Tage, kann zu Schichtdienst führen, erfordert mehr Koordination. |
| Administrative Aufgaben | Ungestörte Zeit für Organisation, Buchhaltung, Bestellungen, Wartung. | Müssen während des Betriebs oder außerhalb der Geschäftszeiten erledigt werden, potenziell stressiger. |
| Kundenfrequenz | Montag traditionell ruhiger, daher weniger verpasste Einnahmen. | Potenzielle Einnahmen durch Kunden, die montags Zeit haben; Risiko geringerer Auslastung. |
| Wettbewerbsvorteil | Geringer, da viele Wettbewerber auch geschlossen haben. | Deutlicher Vorteil für Kunden, die montags einen Termin benötigen. |
| Weiterbildung | Idealer Tag für interne Schulungen und Workshops. | Schulungen müssen in den laufenden Betrieb integriert oder an anderen Tagen angeboten werden. |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist die montägliche Schließung gesetzlich vorgeschrieben?
Nein, in Deutschland gibt es keine gesetzliche Vorschrift, die Friseursalons dazu verpflichtet, montags geschlossen zu halten. Es handelt sich um eine branchenübliche Praxis und Tradition, keine gesetzliche Vorgabe.

Schließen wirklich alle Friseure montags?
Nein, es gibt zunehmend Ausnahmen. Insbesondere Salons in großen Einkaufszentren, Bahnhöfen, touristischen Gebieten oder größere Salonketten bieten oft auch montags ihre Dienste an, um den Bedürfnissen der modernen Gesellschaft gerecht zu werden.
Warum können Friseure nicht einfach einen anderen Wochentag schließen?
Sie könnten. Einige Salons, die montags geöffnet haben, wählen einen anderen Tag (z.B. Dienstag oder Mittwoch) als Ruhetag. Der Montag hat sich jedoch historisch als der praktischste und am wenigsten umsatzrelevante Tag etabliert, was die Umstellung für viele erschwert.
Wann ist die beste Zeit, um einen Friseurtermin zu bekommen?
Das hängt vom Salon ab. Generell sind Wochentage (Dienstag bis Donnerstag) oft ruhiger als Freitage und Samstage. Wenn ein Salon montags geöffnet ist, könnte dies ein guter Tag für einen spontanen oder kurzfristigen Termin sein, da die Nachfrage dort oft geringer ist.
Was mache ich, wenn ich dringend einen Friseurtermin am Montag brauche?
Suchen Sie gezielt nach Salons in belebten Gegenden wie Hauptbahnhöfen, großen Einkaufszentren oder Innenstädten, da diese eher montags geöffnet haben. Online-Suchmaschinen oder Telefonbücher können Ihnen helfen, solche Ausnahmen zu finden.
Fazit: Eine Mischung aus Alt und Neu
Die montägliche Schließung von Friseursalons ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie sich Tradition und praktische Notwendigkeiten im Laufe der Zeit zu einer festen Gewohnheit entwickeln können. Was einst als notwendiger Ruhetag nach einer anstrengenden Sechstagewoche begann, hat sich zu einem etablierten Muster entwickelt, das sowohl der Erholung des Personals als auch der effizienten Betriebsführung dient. Obwohl sich die Arbeitswelt und die Erwartungen der Kunden ständig wandeln, halten viele Salons aus guten Gründen an diesem freien Tag fest.
Gleichzeitig zeigt die wachsende Zahl von Ausnahmen, dass die Branche keineswegs starr ist. Moderne Salons passen sich den Bedürfnissen einer 24/7-Gesellschaft an und bieten flexiblere Öffnungszeiten an. Letztendlich ist die Wahl, montags zu schließen oder zu öffnen, eine strategische Entscheidung jedes einzelnen Salonbetreibers, die auf einer Abwägung von Tradition, Wirtschaftlichkeit, Mitarbeiterwohl und Kundenbedürfnissen basiert. Eines ist jedoch sicher: Der Montag wird für viele Friseure in Deutschland noch lange Zeit der verdiente Ruhetag bleiben.
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